Prüfer beim messen eines elektrischen Betriebsmittels nach DGUV Vorschrift 3 bzw. BGV A3

Alle Jahre wieder beginnt das große Rücken im Büro denn wenn die BG ruft „Es muss alles nach DGUV Vorschrift 3 geprüft sein!“. Der Grund hierfür ist die Prüfung ortsveränderlicher Betriebsmittel, auch als DGUV V3 Prüfung oder BGV A3 Prüfung bekannt. Hierbei werden alle elektrischen Geräte auf ihre elektrische Sicherheit überprüft. Hierzu werden oftmals Schreibtische auseinandergebaut, um an alle in Kabelkanälen verborgenen Gerätschaften wie Steckdosenleisten oder Steckernetzteile heranzukommen. Hierbei bestehen oft Unklarheiten, was eigentlich alles in den Bereich dieser DGUV V3 Prüfungen fällt, gerade was die früher gebräuchliche Unterscheidung zwischen ortsveränderlichen und ortsfesten Geräten betrifft.

Grundlagen der Prüfungen nach Gesetz und Normen

Die Grundlage der Prüfpflicht nach DGUV Vorschrift 3 kommt ursprünglich von den Berufsgenossenschaften, die zur Unfallverhütung dem versicherten Unternehmen konkrete Pflichten auferlegen, um vermeidbare Unfallursachen bereits im Vorfeld zu minimieren. Mit der Betriebssicherheitsverordnung ist auch von staatlicher Seite ein Vorschriftenwerk zur DGUV Vorschrift 3 dazugekommen, welches im Geltungsbereich sogar etwas weitergeht als die von Berufsgenossenschaften erfassten Betriebsstätten. Oftmals noch als BGV A3 Prüfung bezeichnet, ist das aktuelle Vorschriftenwerk jetzt als DGUV Vorschrift 3 gültig. Vereinfacht müssen auf dieser Grundlage bei einer DGUV V3 Prüfung alle Dinge, an denen jemand durch Elektrizität zu Schaden kommen kann, regelmäßig geprüft werden. Dies umfasst Betriebsmittel wie die Bohrmaschine auf der Baustelle, den PC und Monitor im Büro, aber auch die gesamte elektrische Installation vom Hausanschluss über den Sicherungskasten bis zur Steckdose.

Die DGUV V3 sagt aus, dass zu prüfen ist. Die konkreten Vorgaben, wie die DGUV V3 Prüfung genau durchzuführen ist, werden von VDE Normen wie der VDE 0701-0702 oder 0105 erfasst. Diese regeln, welche elektrischen Messungen durchzuführen sind. Aus diesem Grund werden diese messtechnischen Prüfungen nach DGUV V3 auch manchmal VDE Prüfungen genannt und synonym benutzt. Ein weiterer Begriff ist der E-Check. Dieser ist eine Marke der Innung, und darf von Handwerksunternehmen, die Innungsmitglieder sind, als Oberbegriff für elektrische Sicherheitsprüfungen genutzt werden. Diese sind unter anderem auch für Privathaushalte oder Vermieter sinnvoll, wenn beispielsweise bei einem Mieterwechsel die Steckdosen, Deckenleuchten und der E-Herd auf ihren ordnungsgemäßen Zustand geprüft werden. Diese Prüfungen sollten den gleichen Leistungsumfang haben, da die fachliche Grundlage der Arbeiten die VDE-Normen darstellen. Das Prüfprotokoll dieser Maßnahme hilft im Schadensfall zu beweisen, dass der Vermieter seinen Sorgfaltspflichten nachgekommen ist.

D.h. ein gewerbliches Unternehmen kann zur Durchführung der vorgeschriebenen Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel nach DGUV V3 einen E-Check eines Handwerksunternehmens zur beauftragen.

Eine nicht durchgeführte DGUV Prüfung ist im Schadensfall eine teure Angelegenheit, da dieses bereits als Ordnungswidrigkeit gilt und bestraft werden kann, ganz zu schweigen von eventuellen Regressansprüchen der BG.

DGUV Vorschrift 3 geprüft

Frühere Bezeichnungen und heutige Relevanz

Die Begriffe „ortsveränderlich“ und „ortsfest“ waren früher unter anderem für die Einschätzung der elektrischen Prüfschritte und der dazugehörigen Prüfnorm bei einer Elektrogeräteprüfung mitverantwortlich. Weiterhin sind die notwendigen Abstände, in denen regelmäßige Wiederholungsprüfungen einer DGUV Prüfung vorzunehmen sind, bei ortsfesten Betriebsmitteln (=Anlagen oder fest angeschlossene Gerätschaften) in der Regel höher als bei ortsveränderlichen Geräten.

Diese Unterschiede verschwimmen allmählich, da die elektrischen Prüfschritte einer Prüfung grundlegend ähnlich sind und die Ermittlung von Prüffristen auf Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung erfolgt. Letztendlich ist ein Gefährdungspotential nicht davon abhängig, ob dieses von einem Gerät wie einer Bohrmaschine oder einer Steckdose ausgeht, sondern davon, in welchem Zustand sich diese befindet und wie im Alltag mit dieser umgegangen wird. Eine Bohrmaschine auf der Baustelle wird einer höheren Belastung ausgesetzt sein als ein PC in einem ruhigen Büro. Dies sollte sich auch in den festzulegenden Intervallen der Wiederholung der Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel widerspiegeln, wenn diese sorgfältig organisiert und durchgeführt werden. Die DGUV Vorschrift 3 nennt deshalb auch keine starren Intervalle, sondern lässt diese durch eine „Gefährdungsbeurteilung zur Prüffristermittlung“ festlegen.

Die Zahlen der Berufsgenossenschaften sprechen hier eine eindeutige Sprache: Die BG ETEM (Berufsgenossenschaft Energie, Textil, Elektro, Medienerzeugnisse) listet in den Unfallzahlen der letzten Jahre unter https://www.bgetem.de/arbeitssicherheit-gesundheitsschutz/institute/institut-zur-erforschung-elektrischer-unfaelle/statistik-der-stromunfaelle folgende Zahlen auf:

2019 sind 4035 Stromunfälle gemeldet worden, davon gehörten 706 zu den „meldepflichtigen“ Unfällen (mehr als 3 Tage Ausfall des Mitarbeiters nach Unfall oder besondere Schwere). Hiervon verliefen 5 tödlich.

Der VDE spricht in https://www.vde.com/de/suf/statistik-stromtote von einem eindeutigen Trend zur stetigen Reduzierung von tödlichen Stromunfällen- von über 200 pro Jahr Anfang der 70er bis hin zu unter 50 Todesfällen in den letzten Jahren ist ein Beweis dafür, dass eine Verbesserung von Sicherheitsmaßnahmen und regelmäßige VDE Prüfung in Unternehmen erfolgreich ist.

Unterteilung der zu prüfenden Betriebsmittel und Anlagen

Generell kann man sagen, dass alles, was irgendwie stromdurchflossen ist, in irgendeiner Form nach DGUV Vorschrift 3 geprüft werden muss. Hier lassen sich folgende Gruppen bilden: Betriebsmittel mit einem Anschlusskabel mit Stecker, festangeschlossene Geräte, Maschinen und elektrische Installationen. Je nach Anschluss kommen unterschiedliche Prüfgeräte (Gerätetester oder Installationstester) zum Einsatz, mit denen der Prüfer im Rahmen der Elektrogeräteprüfung die elektrotechnischen Prüfschritte vornimmt.

Eine Unterscheidung, ob die Betriebsmittel mit 230 Volt Netzspannung (oder 400 Volt Drehstrom) oder Batterien betrieben werden, ändert nichts an der Prüfpflicht aufgrund DGUV V3, da auch diese elektrischen Gefährdungen darstellen können.

Betriebsmittel mit Stecker

Die einfachsten Fälle von zu prüfenden Betriebsmitteln nach DGUV V3 sind:

  • Verlängerungskabel
  • Steckdosenleisten (manchmal Mehrfachstecker genannt)
  • Kaltgeräteanschlussleitungen.
  • Kabeltrommeln
  • starre Verteiladapter, die aus einer Schuko Steckdose mehrere Abgänge machen
  • mobile Kleinverteiler

DGUV Vorschrift 3 geprüft

Betriebsmittel mit Anschlussleitung DGUV Vorschrift 3 geprüft

In diese Kategorie fallen alle Geräte, die eine fest angeschlossene Anschlussleitung besitzen. Dies umfasst beispielsweise:

  • Bohrmaschine
  • Stichsäge
  • Wasserkocher
  • Fernseher
  • Kopierer
  • Laminiergerät
  • Kühlschrank
  • Mikrowelle
  • Netzteile mit direktem Steckeranschluss (Sogenannte Steckernetzteile)
  • Aktenvernichter

Betriebsmittel mit trennbarer Anschlussleitung

Diese Prüflinge bilden in Büroumgebungen oft die Mehrzahl der zu prüfenden Geräte nach DGUV Vorschrift 3. Der klassische Desktop-PC oder Monitore und Drucker sind hier die Paradebeispiele. An dieser Stelle muss darauf geachtet werden, dass die Anschlussleitungen ggf. getrennt vom Gerät geprüft und inventarisiert werden, um in einem Schadensfall eine eindeutige Zuordnung zum Prüfprotokoll gewährleisten zu können.

  • PC
  • Drucker
  • Monitor
  • Beamer
  • Notebooknetzteil
  • Netzwerkswitch

Betriebsmittel mit Kleinspannungsversorgung nach DGUV Vorschrift 3 geprüft

Diese Geräte werden entweder von Batterien oder speziellen Netzteilen versorgt, die auch beim Anfassen blanker Teile (bspw. bei einem Notebooknetzteil) keine Gefahr darstellen sollen. Hier wird nur eine kurze VDE Prüfung vorgenommen und oftmals eher darauf geachtet, dass keine scharfen Kanten oder lose bewegliche Teile vorliegen. Diese Prüflinge werden oft bei einer Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel ignoriert, gehören jedoch dazu.

  • Notebook
  • Akkuladegerät
  • Smartphone Ladegerät bzw. USB-Netzteil
  • Internetrouter
  • USB-Festplatte mit eigener Stromversorgung

Maschinen

Die Definition einer Maschine umfasst deren Bestehen aus mehreren Komponenten und dem Vorhandensein von beweglichen Teilen. Hierdurch können sich die notwendigen Einzelprüfschritte einer DGUV V3 Prüfung im Gegensatz zu den einfachen Elektrogeräten deutlich erhöhen.

Beispiele für Maschinen sind:

  • Kartonpresse
  • Flaschenabfüllanlage
  • stationäre Klimaanlage mit Rückkühler
  • elektrische Hebebühnen
  • Windräder

Anlagen nach DGUV Vorschrift 3 geprüft

Der Begriff der elektrischen Anlage ist auch unter dem alten Begriff „ortsfeste Betriebsmittel“ bekannt. Hierzu gehören alle Teile, die vom Anschluss des Stromversorgers wie den Stadtwerken bzw. Versorgungsnetzbetreibers bis zur Steckdose Energie transportieren. Bei einer DGUV V3 Prüfung müssen diese selbstverständlich ebenfalls geprüft werden.

  • Hochspannungstrafo (bei Gewerbekunden)
  • Zählerschrank
  • Sicherungskasten/Unterverteiler
  • Zuleitungen zur Steckdose
  • Steckdosen selbst bzw. die Steckdosenstromkreise
  • fest angeschlossene Leuchten (bspw. Deckenleuchten)
  • USV-Anlagen zur Notstromversorgung bspw. in Serverräumen
  • Baustromverteiler

Spezielle Betriebsmittel

Mit dem Aufkommen von elektrisch betriebenen Fahrzeugen müssen diese selbstverständlich bzw. deren Zubehör auf ihre sichere Funktion im Rahmen einer DGUV V3 Prüfung geprüft werden. Speziell die aufkommende Elektromobilität stellt an den Prüfer oftmals neue Herausforderungen

  • Ladekabel von Elektroautos zur Wallbox
  • (Not)Ladeadapter (ICCB) eines Elektroautos
  • elektrischer Gabelstapler
  • elektrischer Hubwagen
  • Batterieanlage zur Notstromversorgung oder Notbeleuchtung
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