VDE 0701-0702 und VDE 0701:2019-05

Unternehmen in Deutschland sind gesetzlich verpflichtet, alle verwendeten elektrischen Geräte, Anlagen, Maschinen, Arbeits- und Betriebsmittel auf ihre Funktionstüchtigkeit und Sicherheit vor dem ersten Gebrauch, nach einer Reparatur oder Veränderung sowie regelmäßig im Lebenszyklus fachgerecht und nach den geltenden VDE-Normen zu prüfen. Solche sicherheitstechnischen Kontrollen erfolgen im Sinne der Anforderungen des Arbeitsschutzes und der Unfallversicherungsvorschriften und haben das Ziel, die Gefährdung für Leben und Gesundheit durch nicht ordnungsgemäß installierte, beschädigte, manipulierte oder fehlerhaft funktionierende elektrische Geräte auszuschließen. In der DGUV Vorschrift 3 (früher Unfallverhütungsvorschrift der Berufsgenossenschaften, BGV A3) wird darauf hingewiesen, dass jeder Unternehmer die elektrische Sicherheit gewährleisten muss. Dafür muss der ordnungsgemäße Zustand der verwendeten elektrischen Geräte, Anlagen und Betriebsmittel regelmäßig und konform zu den aktuellen VDE-Normen geprüft werden. Durch die seit 2002 geltende Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) kommen verschiedene Richtlinien, Vorschriften und technische Regeln zur Anwendung, die zur Betriebssicherheit und zum Schutz der Gesundheit beitragen und für Unternehmen und Organisationen verpflichtend sind. Aufgrund dieser Rechtsverordnung und mit Berücksichtigung der VDE-Normen und DGUV-Regelungen wurde eine allgemeine obligatorische Prüfpflicht eingeführt. Die VDE-Normen enthalten die Richtlinien und Methoden für technische Prüfung verschiedener Geräte, Anlagen und Betriebsmittel. Die VDE 0701 definiert die Anforderungen und Prüfverfahren für Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel nach deren Erstinbetriebnahme sowie nach jeder Instandsetzung, Wiederinbetriebnahme, Änderung oder Reparatur. Die VDE-Norm 0702 fordert regelmäßige Wiederholungsprüfungen ortsveränderlicher Elektrogeräte. Die beiden VDE-Normen wirken komplementär und sind für die Elektrosicherheit im Lebenszyklus eines Geräts wichtig.

DIN VDE 0701-0702

Die VDE-Prüfnormen 0701 (Prüfung nach Erstinbetriebnahme, Instandsetzung, Änderung oder Reparatur) und 0702 (regelmäßige Wiederholungsprüfungen) definieren die Anforderungen der elektrischen Sicherheit und die Prüfmethoden für Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel. Aus diesem Grund wurden die alten VDE-Normen 0701 und 0702 zu einer einheitlichen Prüfnorm DIN VDE 0701-0702 zusammengefasst. Durch die Zusammenfassung in einem Dokument hat der VDE die für den Lebenszyklus eines ortsveränderlichen Geräts relevanten Prüfanforderungen in Bezug auf Erstinbetriebnahme, Instandsetzung, Änderung, Reparatur, periodische Wiederholungsprüfungen konsolidiert und deren Anwendung erleichtert. Die Zusammenfassung der beiden Normen in einer einheitlichen Norm schafft eine bessere Übersichtlichkeit. Das ist wichtig für eine korrekte Anwendung der Anforderungen.

Die neue VDE-Norm 0701-0702 (Ausgabedatum: Juni 2008; Status: Norm) definiert die allgemeinen Anforderungen für die elektrische Sicherheit von elektrischen Geräten mit Wechselspannung bis 1000 Volt oder Gleichspannung bis 1500 Volt. Die Norm enthält die anzuwendenden Prüfverfahren sowie die Grenzwerte zur Kontrolle. Elektrisch aufgerüstete Geräte, die ursprünglich nicht als elektrische Geräte bezeichnet worden sind, bedürfen auch der Prüfungen nach derselben Norm VDE 0701-0702.

Bei den VDE Prüfungen müssen sämtliche im Unternehmen bereitgestellten elektrischen Geräte, Anlagen und Betriebsmittel lückenlos und anforderungskonform geprüft werden. Der aktuelle Zustand des zu prüfenden Objekts wird durch Besichtigung, Messung und Erprobung ermittelt. Die Messwerte und Prüfergebnisse werden in Prüfprotokolle dokumentiert. Nach der DGUV V3, Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und den Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS 1203) darf nur eine befähigte (ausgebildete und zugelassene) Elektrofachkraft eine Elektrogeräteprüfung durchführen. Bei der VDE Prüfung müssen geeignete Mess- und Prüfgeräte verwendet werden.

Die Prüfung nach VDE 0701/0702 umfasst die Sichtprüfung, die Messung des Isolationswiderstands, des Schutzleiterwiderstands, des Schutzleiter-/Berührungsstromes und den Nachweis der sicheren Trennung vom Versorgungsstromkreis. Im Abschluss der Prüfung werden die Funktionsprüfung durchgeführt und die Ergebnisse dokumentiert. Bei eingebauten Schutzlösungen wie Notausschalter, Fehlerstromschutzschalter (FI/RCD), Thermoabschaltelemente, wie zum Beispiel in Wasserkochern, werden solche Schutzelemente ebenfalls in die Überprüfung einbezogen.

Bei der Prüfung sind sowohl die etablierten, allgemein anerkannten Regeln der Elektrotechnik als auch die Vorschriften, Maßnahmen und Verfahren der Prüfnorm VDE 0701/0702 zu beachten. Eine elektrotechnische Regel gilt auch dann als eingehalten, wenn eine andere ebenso wirksame technische Lösung zum Einsatz kommt und deren Wirksamkeit nachweisbar und überprüfbar ist.

Eine Prüffristenermittlung und Berechnung des Intervalls für regelmäßige Prüfungen nach VDE 0702 erfolgt im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gemäß der BetrSichV (§ 3 (1)) und dem Arbeitsschutzgesetz (§ 5). Um eine sichere Bereitstellung und Benutzung der Arbeitsmittel unter Voraussetzung eines ordnungsgemäßen Gebrauchs zu gewährleisten, werden die Art der Tätigkeiten und die Wechselwirkungen der Arbeitsmittel berücksichtigt. Die DGUV V3 Prüffristen für regelmäßige Prüfungen sind so zu berechnen und festzulegen, dass mögliche Mängel, mit denen im Laufe des Gerätebetriebs gerechnet werden muss, immer rechtzeitig und präventiv festgestellt werden.

Als Maß, dass die berechneten Prüffristen für die elektrotechnische Sicherheit ausreichend sind, gilt die bei den VDE-Prüfungen in bestimmten Betriebsbereichen festgestellte Fehlerquote von Betriebsmitteln, die die Grenzwerte überschreiten. Beträgt die Fehlerquote maximal 2 %, kann die Prüffrist als ausreichend angesehen werden. Für Wiederholungsprüfungen ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel gilt der Richtwert von 6 Monaten, auf Baustellen von 3 Monaten. Der Maximalwert beträgt auf Baustellen oder in Fertigungsstätten ein Jahr und in Büros zwei Jahre. Die Prüffristen beziehungsweise -intervalle hängen vom jeweiligen Gerätetyp ab. Für Kaffeeautomaten oder Staubsauger ist beispielsweise eine jährliche Überprüfung Pflicht. Für Bürogeräte wie Drucker oder Telefone sieht die VDE-Norm eine Prüffrist von zwei Jahren vor.

VDE 0701 günstig

Für die sichere und ordnungsgemäße Verwendung von elektrischen Arbeits- und Betriebsmitteln in einem Unternehmen oder einer Organisation ist der Arbeitgeber verantwortlich. In großen Unternehmen wird diese Aufgabe an einen für die Elektrosicherheit zuständigen Mitarbeiter, die verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK), delegiert. Diese elektrotechnisch unterwiesene Person muss die Anforderungen und Richtlinien der VDE-Normen kennen und über die erforderlichen Fachkenntnisse und Erfahrungen verfügen, um Risiken zu erkennen, Gefährdungen durch Elektrizität zu vermeiden und Aufrechterhalten der Elektrosicherheit im Unternehmen zu gewährleisten.

Aufgrund betrieblicher Eigenschaften eines Unternehmens und permanent laufender technologischer Prozesse kann es bei Wiederholungsprüfungen womöglich nicht jedes elektrische Gerät vom Stromnetz getrennt werden. Dem Anhang D der VDE 0701-0702 zufolge entscheidet der für die Prüfung verantwortlichen Elektrofachkraft, ob ein solches fest mit der Anlage verbundenes elektrisches Gerät bei Wiederholungsprüfungen elektrisch von der Anlage getrennt (spannungsfrei) oder gemeinsam mit der Anlage (unter Spannung) geprüft wird. In einem solchen Fall sind sowohl eine durchdachte und abgestimmte Prüforganisation als auch ein funktionierendes ganzheitliches Prüfkonzept erforderlich, damit die elektrischen Betriebsmittel vollständig und lückenlos nach den Anforderungen der VDE 0701/0702 sicherheitstechnisch geprüft werden.

VDE 0701:2019-05

Mit dem europäischen Norm-Entwurf VDE 0701:2019-05 / DIN EN 50678 (Ausgabedatum: Mai 2019; Status: Norm-Entwurf) ist es beabsichtigt, ein allgemeines und einheitliches Prüfverfahren für elektrische Geräte nach einer Reparatur festzulegen und die Sicherheit von Personen zu gewährleisten, die reparierte Geräte verwenden. Somit wird die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen bei Weiterverwendung von reparierten Elektrogeräten sichergestellt. Der Norm-Entwurf sollte als Nachweis der Übereinstimmung mit der europäischen Richtlinie 2009/104/EG über Mindestvorschriften für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Verwendung von Arbeitsmitteln gelten.

Die Prüfverfahren nach einer Reparatur werden vom zuständigen technischen Produktkomitee festgelegt. Der Norm-Entwurf VDE 0701:2019-05 kann berücksichtigt werden, wenn geänderte oder zusätzliche Prüfungen erforderlich sind, um die Produktsicherheit nach der Reparatur sicherzustellen. Wenn nach Reparatur von Produkten geänderte oder zusätzliche Prüfungen erforderlich sind, können die technischen Produktkomitees den Norm-Entwurf VDE 0701:2019-05 für solche Produktprüfungen einbeziehen.

Dieses Prüfverfahren gilt für Geräte oder Betriebsmittel, die an Endstromkreise mit einer Bemessungsspannung von 25 bis 1 000 Volt AC (Wechselspannung) beziehungsweise von 60 bis 1500 Volt DC (Gleichspannung) und Strömen bis zu 63 A angeschlossen sind. In dem Norm-Entwurf wird davon ausgegangen, dass das betrachtete nach einem Defekt reparierte elektrische Betriebsmittel auf dem Markt eingeführt wurde und seiner Produktnorm entspricht. Es soll überprüft werden, dass die Reparaturarbeiten ordnungsgemäß ausgeführt wurden und die Schutzmaßnahmen nicht gefährdet haben. Die Durchgängigkeit des Schutzleiters und die Widerstandsfähigkeit der Isolation sind zu überprüfen. Nach der Reparatur ist auch sicherzustellen, dass keine Metallteile lose sind oder unbeabsichtigt in das Gerät eingesetzt wurden.

Gegenüber DIN VDE 0701-0702 (VDE 0701-0702:2008-06) wurden im Norm-Entwurf VDE 0701:2019-05 folgende Änderungen vorgenommen:

– Der Norm-Entwurf gilt nicht für die Wiederholungsprüfung und nicht für die Prüfung von Geräten der Informationstechnik.

– Bei der Prüfung von Haushaltsgeräten wurden einige Prüfungen wie Funktionstest, Polarität des Netzsteckers, Prüfung weiterer Schutzmaßnahmen und Ableitstrommessung an isolierten Eingängen aus dem Anwendungsbereich herausgenommen.

– Die Berechnungsgrundlage für Leitungen über 1,5 mm2 wurde geändert.

– Die Ableitstrommessung an isolierten Eingängen ist normativ festgelegt.

– Die Verwendung von Messgeräten nach VDE 0413-16 / IEC 61557-16 wurde ergänzt.

Der europäische Norm-Entwurf DIN VDE 0701:2019-05 ist vorgesehen als teilweiser Ersatz für die geltende Norm DIN VDE 0701-0702 (VDE 0701-0702:2008-06). Die angestrebte Änderung betrifft die Anforderungen, die in der alten VDE-Norm 0701 enthalten sind und für die Prüfung ortsveränderlicher Geräte nach einer Reparatur gelten.

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