Prüfung von E-Ladestationen und E-Ladekabeln

Für den Laien hören sich beide wiederkehrende Prüfungen ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel gleich an, sind es aber nicht. Beide Prüfungen ergänzen sich und können, wenn ein eigener Prüfbetrieb beauftragt wird, auch meistens am selben Tag erfolgen. Somit wird Zeit gespart. Die VdS Prüfung ist auf den Brandschutz des Gebäudes fokussiert (Gebäudeschutz). Die DGUV V3 Prüfung auf den Brandschutz von Personen (Personenschutz). Grundsätzlich überschneiden sich die Ziele. Oberste Priorität hat die Betriebssicherheit.  Der Unterschied zwischen VdS und DGUV wird hier nun näher erläutert.

Worin liegen die wesentlichen Unterschiede zwischen VdS und DGUV?

Vor der Inbetriebnahme einer elektrischen Anlage ist diese nach der DIN VDE 0100-600 einer VDE Prüfung zu unterziehen. VDE ist der Verband der deutschen Elektrotechniker Elektroniker und Informationstechniker. Diese Prüfung ist in regelmäßigen Abständen wiederkehrend durchzuführen (DIN VDE 0105-100).

Die VdS Prüfung prüft elektrische Anlagen ergänzend dazu mit Fokus auf dem Brandschutz (VDS Richtlinie 228). Die VdS ist eine Kurzform für VdS Schadenverhütung GmbH, die staatlich zertifiziert ist mit Prüfstellen in ganz Deutschland sowie in Europa und Shanghai. Auch diese Prüfung muss in regelmäßigen Intervallen wiederholt werden. Wesentliches Merkmal ist die Untersuchung mithilfe der Thermografie. Somit können sehr leicht Schwachstellen festgestellt werden. Hier kommt vor allem die Feuerschutzklause SK 3602 zum Tragen. Die VdS Sachverständigen sind unabhängig.

Die DGUV Prüfung nach der DGUV Vorschrift 3 befasst sich vor allem mit dem Personenschutz und der Betriebssicherheit als solcher. Dabei steht auch die Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel an. Der Brandschutz steht dabei aber nicht im Mittelpunkt. Die DGUV ist der Verband der deutschen Berufsgenossenschaften und der deutschen Unfallversicherer. Hier stehen vor allem die Betriebssicherheit als solche sowie die Unfallverhütung im Vordergrund.

Warum sollen elektrische Anlagen regelmäßig überprüft werden?

Unterschied VdS und DGUV – Die Prüfung nach der DGUV V3 bewirkt, dass alle elektrischen Anlagen, Geräte und Maschinen in ordnungsgemäßem Zustand sind und zweckgebunden verwendet werden. Somit werden Gefahren schon im Vorfeld erkannt. Die Betriebssicherheit bleibt gewährleistet. Darüber hinaus wird damit sichergestellt, dass Gefährdungspotenziale bekannt sind und regelmäßig überprüft werden. Besteht Brand- oder Explosionsgefahr muss auch die nähere Umgebung elektrischer Anlagen in Augenschein genommen werden, um Gefährdungen auszuschließen. Die Prüfung nach der DGUV V3 sorgt dafür, dass es zu keiner Überhitzung oder Schäden durch schadhafte Kabel kommt.

Unterschied VdS und DGUV Prüfgerät

Wie sieht der E-Check nach der DGUV V3 aus?

Die DGUV V3 Prüfung sieht zunächst eine Sichtprüfung vor. Dabei werden alle elektrischen Geräte, Maschinen und Anlagen auf ihre äußerliche Unversehrtheit, auf die richtige Aufstellung und Verwendung geprüft. Danach werden mit speziellen Mess- und Prüfgeräten Messungen an den Geräten vorgenommen und diese mit den in der DGUV Vorschrift 3 vorgegebenen Grenzwerten abgeglichen. Die Ergebnisse werden im Prüfprotokoll eingetragen. Anschließend kommt es zur Funktionsprüfung. Dabei wird geprüft, ob die elektrischen Geräte auch ordnungsgemäß arbeiten. Darüber hinaus werden die Sicherheitsvorrichtungen ebenfalls getestet.

Im Ernstfall muss zum Beispiel der Not-Aus-Schalter die elektrische Anlage abschalten. Die Absperrvorrichtung muss in Position sein, um einen Unfall zu verhindern. Die Geräteverriegelung sorgt dafür, dass kein Arm oder Fuß während des Arbeitens abgetrennt wird. Danach werden alle Mängel, samt den vorgeschlagenen Maßnahmen sowie den Fristen zur Behebung in das Prüfprotokoll eingetragen. Es folgen noch das Datum der Prüfung, das Datum der folgenden Prüfung sowie die Unterschrift des Prüfers. Die geprüfte Anlage oder das geprüfte Gerät erhält eine Prüfplakette.

Unterschied VdS und DGUV – Wie erfolgt die VdS-Prüfung?

Sie ist ähnlich der DGUV V3 Prüfung, unterscheidet sich aber in wesentlichen Teilen. Zunächst erfolgt die Besichtigung der elektrischen Anlage, der Stromeinspeisung (Trafostation, Verteiler, Schaltanlagen, Beleuchtungsanlagen, Überspannungsschutz, Kabel- und Leitungsanlagen, etc.). Ganz besonderes Augenmerk wird dabei auf die Schottungen, Schutz- und Überwachungseinrichtungen für den Brandschutz gelegt. Danach werden die in der VdS Feuerschutzklausel vorgegebenen Messungen durchgeführt. Liegen diesbezügliche Messungen bereits vor, können diese in die VdS Prüfung miteinbezogen werden.

Das kann zum Beispiel das Messprotokoll nach der DGUV V3 sein. Dieses muss jedoch stichprobenartig überprüft werden, bevor die Werte in den Befundschein der VdS Prüfung übernommen werden. Gemessen werden die Temperatur, der Isolationswiderstand, die Durchgängigkeit des Schutzleiters, die Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen, Strommessungen sowie der Schleifwiderstand. Danach erfolgt die Funktionsprüfung nach der VdS 2871. Dabei werden die Isolationsüberwachungsgeräte, die Wirksamkeit der Betriebsmittel, Stromkreise zur Sicherheit (Schutzrelais, Not-Aus-Schaltungen, Verriegelungen), die Drehrichtung bei Drehstromsteckdosen, die Melde- und Anzeigeeinrichtungen erprobt.

Alle gefundenen Mängel sowie Behinderungen oder das Nicht-Vorhandensein muss im Befundschein vermerkt werden. Als Behinderung gilt, wenn der Mitarbeiter den Not-Aus-Schalter vom Gerät aus nicht erreichen kann oder wenn Schutzvorrichtungen verstellt oder blockiert werden. Das gilt als schwerer Mangel, da die Schutzvorrichtungen als Sicherheitsvorkehrungen gelten. Schutzvorrichtungen sind da, um im Notfall Verletzungen oder Schlimmeres zu verhindern. Unter unglücklichen Umständen kann der Arbeiter über die Blockierung direkt in die offenen Schneiden der Maschine fallen. Aus diesen Gründen, die durch die Unfallversicherer dokumentiert wurden, entstand die fachliche Beteiligung an der Gesetzgebung. Ordnungsprüfungen beinhalten das Überprüfen von Wartungs- und Prüfbüchern sowie Protokolle oder das Vorhandensein von Feuerlöschern sowie deren Anzahl, etc. Anschließend erfolgt die Dokumentation in Form des Befundscheins nach der VdS 2229.

Welche Regelwerke müssen noch in die Prüfung nach der DGUV Vorschrift 3 miteinbezogen werden?

Dazu gehören die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) sowie die TRBS 1201. Die BGV A3 ist die alte Bezeichnung für die DGUV V3. Die Elektrogeräteprüfung nach der DGUV Vorschrift 3 hat in regelmäßigen Abständen zu erfolgen. Die Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel ist Teil dieser Prüfung. Der Gesetzgeber hat dafür Sorge getragen, dass Unfälle durch defekte Elektrogeräte oder Brände schon im Vorfeld ausgeschlossen werden können. Mangelhafte Isolierungen werden oft viel zu spät entdeckt. Die DGUV V3 Prüfung sowie die VdS Prüfung helfen, diese frühzeitig zu entdecken.

Unterschied VdS und DGUV – Wer darf die Prüfung nach der DGUV Vorschrift 3 durchführen?

Dabei handelt es sich um befähigte Personen oder Prüfbetriebe. Befähigte Personen werden vom Unternehmen ernannt. Sie sind Elektrofachkräfte, die über eine Spezialausbildung mit Abschlussprüfung für die Prüfung nach der DGUV V3 verfügen. Die befähigte Person ist dem Unternehmen oder Vorgesetzten im Betrieb in keinster Weise weisungsgebunden. Darüber hinaus muss sie regelmäßig Fortbildungen in diesem Bereich besuchen. Prüfbetriebe sind zertifizierte Elektrofachbetriebe, die zur Prüfung nach der DGUV V3 ermächtigt sind.

Wer darf Prüfungen nach der VdS abnehmen?

Dabei handelt es sich um unabhängige Elektrofachkräfte, die eine VdS 3602 Schulung bei der VdS Schadenverhütung GmbH in Köln absolviert haben und die Prüfung bestanden haben. Auch diese Prüfer sind dem zu prüfenden Unternehmen nicht weisungsgebunden. Sie können selbständig tätig oder bei einem Prüfbetrieb angestellt sein. Dann sind sie ebenfalls weisungsungebunden was die Prüfung selbst betrifft.

Unterschied VdS und DGUV; Thermografie: Ein Beispielbild für die Darstellung der Messtechnik mit der energetische Defekte und Schwachstellen gefunden werden können

Unterschied VdS und DGUV – Wer trägt die Verantwortung nach der DGUV Vorschrift 3 und der VdS?

Der Betreiber trägt letztendlich immer die Gesamtverantwortung. Wird die Prüfung selbst angezweifelt, muss geprüft werden, was vorgefallen ist und auf welcher Basis die Prüfung stattgefunden hat. Wurde die Prüfung fahrlässig durchgeführt, trägt der Prüfer die Verantwortung. Basierte diese auf falschen Fakten, hat der Unternehmer die Folgen zu tragen. Kommt es nach der VdS Prüfung zum Brand, ist auch zu prüfen, was passiert ist.

Erfolgte die Prüfung ordnungsgemäß, trifft den Prüfer keine Schuld. Kommt es zum Kabelbrand, kann auch die Frage auftauchen, wer von den beiden Prüfern die Schuld trägt, der DGUV Prüfer oder der VdS Prüfer. Die Beweisführung liegt zum Großteil beim Unternehmer sowie bei den beiden Prüfern. Fanden die Prüfungen unabhängig voneinander statt und der Brand fand dazwischen statt, ist die Sachlage klar. Strittig wird es nur, wenn beide Prüfer am selben Tag geprüft haben.

Welche Vorteile hat der Unternehmer durch die DGUV V3 Prüfung sowie VdS Prüfung?

Mängel und Schäden werden frühzeitig entdeckt. Die Elektrogeräteprüfung bewirkt, dass auch Schäden an der Isolierung, die sonst lange unbemerkt bleiben, bemerkt werden. Das Unternehmen erspart sich selbst viel Arbeit, Zeit und Kosten. Sehen die Versicherer, dass die Prüfungen immer fristgerecht nach der BGV A3 durchgeführt werden, reduzieren sie die Prämien.

War immer alles in Ordnung und wurden den Verpflichtungen nach der DGUV Prüfung fristgerecht nachgekommen und es kommt trotzdem zum Unfall, übernehmen die Versicherungen meistens rasch die Kosten. Wenn alles In Ordnung ist, werden die Prüfintervalle der DGUV V3 Prüfung verlängert. Die Prüfungen nach der DGUV Vorschrift 3 und der VdS sorgen für die Sicherheit aller im Betrieb. Reibungsloses Arbeiten ist möglich, die Auftragslage verbessert sich und die Mitarbeiter bleiben länger im Betrieb. Dadurch steigt auch das Prestige des Unternehmens.

Fazit

Um zu garantieren, dass die Betriebssicherheit gegeben ist, müssen sowohl die DGUV V3 Prüfung, die VdS 3602 Prüfung als auch die VDE Prüfung durchgeführt werden. Der E-Check sowie die Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel muss auf alle Fälle gründlich und nach den gesetzlichen und technischen Vorgaben erfolgen. Nur so kann sichergestellt werden, dass nichts übersehen wird. Überschneidungen können gegenseitig genutzt werden. Abweichende Teile müssen natürlich geprüft werden. Wiederholungsprüfungen und Mängelbehebungen müssen fristgerecht durchgeführt werden, um sowohl den Brandschutz, Personenschutz als auch den Gebäudeschutz gewährleisten zu können.

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